Rückblick zur Lesung von Kirsten Boie

Rückblick zur Lesung von Kirsten Boie

Als bekannt wurde, dass in unmittelbarer Nachbarschaft unserer Grundschule unserer Kinder eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll, hat sich eine kleine Gruppe Eltern gefunden, die an unserer Schule eine Willkommenskultur für die zu erwartenden Flüchtlinge etablieren möchte: „Eltern4Holmbrook“

Am 17. September kam Kirsten Boie an unserer Schule. Dies war aufregend genug, eine so bekannte Hamburger Schriftstellerin in unserer Schule zu begrüßen. Aber dann sprach Frau Boie auch noch über ein aufregendes Thema, das im Moment jeden Tag in der Zeitung zu lesen, in den Nachrichten zu hören ist: viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern kommen nach Hamburg, um hier zu leben. Weil sie meistens unfreiwillig aus ihrer Heimat weggegangen sind, in der Krieg, Hungersnot oder Verfolgung das Leben sehr schwer und gefährlich machen, sagt man, dass sie “auf der Flucht” sind. Oder wir nennen sie ganz allgemein “die Flüchtlinge”.

Weil ja nicht ganz einfach zu verstehen ist, was ein” Flüchtling” ist, und man ein dummes Gefühl im Bauch bekommt, bei der Vorstellung, dass auch Kinder dabei sind, die bei Sturm und Regen im Kalten in Zelten oder einfachen Häusern – den “Flüchtlingslagern” – wohnen, haben wir Kirsten Boie gebeten, uns die Geschichte von dem  Flüchtlingskind zu erzählen.

Und wir waren viele, die neugierig waren und das hören wollten. Über 400 Kinder waren wir, und zu vielen Kindern aus unserer Schule kam auch noch eine Mama oder ein Papa oder ein Onkel oder eine Tante mit. Und nicht nur von unserer Schule waren Kinder da. Auch aus der Schule Hirtenweg und der Elbschule kamen einige, so dass vorne auf der Bühne sogar eine Gebärdensprachdolmetscherin stand. An ihrem Gesicht konnte man stets die Stimmung aus der Geschichte ablesen: wenn es traurig wurde, machte die Frau ein trauriges Gesicht, und wenn es wieder fröhlich war, dann lachte sie.

Und in der Geschichte gab es viel Trauriges. Aber so ist es eben, wir möchten eigentlich lieber die schönen Seiten des Lebens hören. Und nun hörten wir vieles, das uns beschäftigt, und ein ungutes Gefühl macht: die Lieblingspuppe ist zurückgeblieben, es gab kaum Wasser und Essen, Mama weinte, Papa war traurig, weil er nicht arbeiten konnte. Aber in der Geschichte gab es auch schöne Momente, die hoffen lassen: Das Mädchen in der Geschichte hatte Eltern, die sie aus dem Kriegsland Syrien weg bringen konnten, sie konnten als ganze Familie zusammen bleiben. Sie hatten Glück, als der Schaffner im Zug sie weiter fahren ließ, obwohl sie keine Fahrkarte hatten. In Deutschland angekommen, bringt Klassenkameradin Emma der kleinen Syrerin Deutsch bei. Sie nimmt sie an die Hand und zeigt ihr Spiele, die man in Deutschland spielt. Und die sind gar nicht so anders als die, die man in Syrien spielt…
Der Lesungs-Tag mit all den in der Geschichte angerissenen Themen, die in erster Instanz von den Erzieherinnen und Erziehern des Nachmittags mit den Kindern unmittelbar im Anschluss an die Lesung bildnerisch mitverdaut wurde, sollte vorbereiten auf den Projekttag Flucht, der die Schülerinnen und Schüler der Loki-Schmidt-Schule am 18. September mit ihren Klassenlehrern im Unterricht beschäftigte.